9. September 2016

Das C ist wichtig

Heute hatte sich eine Abgeordnete der CDU in unserer Schule vorgestellt beziehungsweise auch das Parteiprogramm aufgrund der bald aufkommenden Wahlen.
Selbstverständlich wurde mal wieder nach der Gleichstellung von Homosexuellen gefragt und ebenfalls der gleichgeschlechtlichen Ehe.
Daraufhin kam die Antwort, dass die Ehe eine Institution zwischen Mann und Frau sein soll und es aus Traditionsgründen auch so sein soll.

Als ich dies hörte, stieg in mir Wut auf. Kurz darauf wurde nach ihrer Meinung gegenüber dem sozialen Geschlecht alias Gender gefragt, woraufhin eine transphobe Antwort von ihrer Seite zurückkam.

"Nur die Frau kann stillen und nur die Frau kann Kinder gebähren"

Kurz davor sagte sie, dass das C als das Christliche und somit die christlichen Werte wichtig seien, weswegen die Fragensteller solch eine Antwort zurückbekamen.
Ich dachte, meine Wut würde sich legen, aber hier ist sie mit viel weiteren Gedanken, die mir vor ein paar Stunden noch nicht eingefallen waren.

Zuallererst kann man nicht sagen, dass die Ehe eine traditionelle Institution ist. Selbstverständlich heiraten die Menschen aus Liebe, aber wie viele heiraten noch wegen Steuererleichterungen? Wie viele Menschen lassen sich heutzutage scheiden? Die Ehe ist eine wirtschaftliche Institution, wenn man bedenkt, wie viel Geld für einen Hochzeitempfang ausgegeben wird.
Wenn man das Thema Tradition anschneidet, sage ich "Alles oder nichts". Es war eine weibliche Politikerin die die Partei heute verteidigte. Würden wir nach Traditionen gehen, würde sie nicht einmal lesen können.
Denn traditionsgemäß ist die Frau das "schwächere Geschlecht" und ist "hormongesteuert", was heute noch in der Gender Pay Gap bemerkbar ist.

Abgesehen von Traditionen missfällt mir der Gedanke die Ehe als ein Privileg anzusehen. Es hat keinen Effekt auf heterosexuelle Menschen, wenn zwei homosexuelle Menschen heiraten. K E I N E N.
Umgekehrt auch nicht, allerdings hat die Differenzierung, welche sich die CDU wünscht einen direkten Einfluss auf die Wahrnehmung von Heterosexuellen auf Homosexuelle. Wenn es einen offiziellen Unterschied gibt, wird dieser noch zehnmal stärker in unserer heteronormativen Gesellschaft weitergetragen.
Panti sagt sehr richtig in ihrer Rede, dass es gleichgeschlechtlichen Paaren sehr schwer fällt alltägliche Dinge zu tun, wie sich zu umarmen oder die Hand zu geben.
Ständig lebt man in der Angst vor Homophobie, die unter dem Schutz der Meinungsfreiheit steht.

Dies führt mich zu meinem nächsten Gedanken: christliche Werte. Ich persönlich bin der Meinung, dass keine Religion eine institutionelle Kraft haben sollte, dementsprechend keinen Einfluss auf die Regierung und politische Entscheidungen. Da das Christentum nun als Ausrede verwendet wird, will ich auf christliche Werte eingehen. Was sind christliche Werte? Eine heterosexuelle Ehe? Wohl kaum, wenn es so wäre, wäre die Abstinenz nicht so hochgefragt.

Liebe, Glaube und Hoffnung

Nirgendwo etwas von Mann und Frau. Wenn ein Mensch einen anderen Menschen aus Liebe nicht heiraten darf, ist es Liebe?
Wenn ein Kind in der Schule gemobbt wird, weil es eine andere Geschlechtsidentität u./o. Sexualität hat, ist es Liebe?
Wenn ein Mensch wegen der negativen Resonanz auf sein Coming Out Suizid begeht, ist es Liebe?

Ich wünsche mir nicht, dass mein hypothetisches Kind gemobbt wird, weil ein anderes Kind schlecht erzogen und ungebildet ist.

Es war nämlich auch nicht im Interesse dieser Politikerin, sexuelle Vielfalt bzw. Geschlechtsidentitäten in der Grundschule zu lehren. "Es könnte die Kinder verwirren."
Als ich in der Grundschule war, erzählte ein Religionslehrer vom Geschlechtsverkehr mit seiner Frau. Wir waren acht. Als ich 10 war, streifte eine Biologielehrerin ein Kondom über eine Schulglocke um uns zu demonstrieren, wie man Kondome benutzt.

Hat es uns verwirrt? Etwas, aber geschadet nicht. Keiner von uns ist schwanger geworden.
Wenn man von Homosexualität in der Schule berichtet, werden die Kinder nicht gleich homosexuell. Ich werde ja auch nicht gleich zu einer e-Funktion, wenn ich davon in der Schule höre oder zum Schweineherz, dass ich in Biologie sezieren musste.

Ich denke, dass Kinder schlauer sind als Erwachsene und sehr gut verstehen, was man ihnen erklärt. Wenn man eine heterosexuelle Partnerschaft desexualisiert beschreiben kann, geht das auch mit einer homosexuellen.

Also bevor noch einmal das Christentum benutzt wird um Liebe zu verbieten, sollte man erst einmal darüber nachdenken, was das Christentum überhaupt bedeutet.

6. September 2016

Blockade

Es ist bestimmt nicht der erste Beitrag, der über eine Blockade spricht.

Seit Monaten habe ich nichts geschrieben. ich bin blockiert. Aber dann schreibe ich trotzdem. Stell dich deinen Ängsten. Stell dich deinen Blockaden. Haben die ja 1989 mit der Mauer auch gemacht.

Hier ist sie, meine emotionale Mauer.

Ich habe aber nicht nur nicht geschrieben, weil ich blockiert war, sondern weil mir auch nicht wirklich was einfällt. Außerdem war ich unterwegs und Schule ist auch noch da.

Trotzdem nehme ich meinen emotionalen, starken, weiblichen (haha), feministischen, offenen Hammer und schlage diese Mauer ein.

Ich bin selbstbewusster geworden, aber ein Telefonat führe ich immernoch mit Widerwillen. Außerdem werde ich ständig dieselbe Frage gefragt: "Was willst du eigentlich machen?"

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, was ich gerade mache und was ich gerade mache, gefällt mir einerseits und andererseits auch irgendwie nicht.
Ich plane Projekte, singe, tanze und schreibe (irgendwie). Aber die Schule hat wieder angefangen und somit kommt der Druck immer näher mit dem Abitur und sonstigen Druckmitteln.

Ich weiß noch, wie sehr ich mit neun Angst hatte, später bei McDonalds arbeiten zu müssen, weil meine Noten so "schlecht" waren. Jetzt denke ich: "Warum nicht, Geld ist Geld und lieber Arbeit als keine Arbeit"

Zukunftspläne

Eigentlich widerspricht sich das Wort. Die Zukunft ist noch nicht da. Eigentlich ist sie nie da. Sie wird da sein, aber wenn sie da ist, nennt man sie Gegenwart.

Wie kann man also etwas planen, was nie da sein wird.
Deswegen habe ich mir vorgenommen, eine andere Perspektive einzusetzen. Gib dein Bestes und wenn es dir nicht gefällt, ändere was.

Man kann entweder was ändern oder sich dem Strom hingeben. Ich bevorzuge Ersteres. Und selbst wenn es schwer ist oder seine Zeit braucht, es gehört dazu. Und irgendwie ergibt sich immer was Unerwartetes.

Falls es dies nicht in eurem Leben tut: Sorry, aber euer Leben ist nicht lebenswert.

Das mag zwar hart klingen, aber es ist nach Mitternacht, in fünf Stunden muss ich aufstehen und mir ist nicht nach Honig-um-den-Mund-Schmiererei.

Mir passieren die wunderbarsten Dinge, wenn ich es nicht erwarte.

Denn Erwarten enthält das Wort "warten" und ich warte auf nichts.