Wir erachten Dinge als normal, weil sie als normal gelten.
Etwas wirkt verworren, wenn wir es nicht kennen.
Ich sah den Film Das Gespenst der Freiheit mit offenen Mund und der ständigen Frage "Was zur Hölle?".
Die Menschen taten Dinge, die für mich außerhalb jeglicher Vernunft waren. Für die Charaktere waren sie gesellschaftlich akzeptiert.
Und deswegen tun wir, was wir tun. Es wird erwartet, aber niemand wirklich weiß, warum es erwartet wird. Man schämt sich, gewisse Dinge zu tun, da sie ungewöhnlich scheinen oder unnormal.
Aber Normalität wird durch Häufigkeit erwirkt. Geschichtlich gesehen waren viele Dinge unnormal, die heute selbstverständlich sind. Wie Autos oder das Frauenwahlrecht.
Durch die Wiederholung werden sie normal.
Darum frage ich mich, ob wir wirklich frei sind in den Dingen die wir tun. Theoretisch wollen wir sie tun, aber warum wollen wir sie tun?
Es fällt uns so schwer, etwas Neues zu erschaffen als Individuum. Aber eigentlich gibt es weder normal noch unnormal. Natürlich ist dies leichter gesagt, als getan.
Aber unabhängig aller Moraltheorien, kann man alles tun, was man will. Die Gesellschaft kann einen nicht aufhalten. Es sind keine niedergeschriebenen Gesetze. Es ist eine Art von Glauben, der so sehr verinnerlicht wurde, dass man gar nicht mehr weiß, dass es künstlich ist.
Wenn man sich unwohl fühlt, muss man nicht dort bleiben, wo man ist. Man kann gehen und die Wand durchbrechen. Tatsächlich ist die Wand, der einem im Weg steht, elastischer als man glauben mag. Nur darf man ihr nicht aus dem Weg gehen.
Die Wand umschließt eine Komfortzone, die gar nicht komfortabel ist.
In letzter Zeit habe ich angefangen, auf der Straße zu singen und zu tanzen, was ich mich nie getraut habe im nüchternen Zustand.
Jetzt stelle ich mir die Frage: Was soll passieren? Ich verstoße gegen kein Gesetz. Ich verhalte mich nur auffällig. Und dies ist kein Verbrechen.
20. November 2016
11. November 2016
Identifikationslos
Ich bin nicht heterosexuell.
Und nein, das ist kein Coming out. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne, denn homosexuell bin ich auch nicht. Mit Bi, Pan, Asexualität kann ich nichts anfangen.
Ich bin keine Deutsche.
Ich bin nicht Polin, nicht Französin. Nicht Europäerin oder Kosmopolit.
Ich bin keine Frau, aber auch kein Mann. Gar nichts bin ich aber auch nicht. Und beides erst recht nicht.
Jedesmal wenn ich versuche, einen Begriff zu nehmen und ihn über mein Ich zu stellen, misslingt mir dies.
Anfangs hört er sich nett an, aber wenn ich versuche zu sagen, dass ich mich mit ihm identifiziere, hört alles auf.
Er verliert an Bedeutung.
Es mag sein, dass viele Menschen einen oder mehrere Begriffe brauchen, um sich selbst zu finden. Mir selbst helfen diese Begriffe nicht. Sie sind nur bedeutungsvoll durch ihren historischen Kontext. Das Wort homosexuell gibt es noch nicht einmal zweihundert Jahre, geschweige denn transgender.
In meinem Pass steht, dass ich Deutsche bin.
In meinem Pass steht, dass ich eine Frau bin.
Und allgemein bezieht man sich auf mich mit dem Pronomen Sie.
Ich komme damit klar, mir ist es egal. Wenn jetzt jemand sagen würde, ich wäre keine Deutsche...Ich weiß es nicht.
Diese Identifikationsbegriffe sind da und sie passen nicht ganz zu mir. Wenn jemand versucht, sie mir wegzunehmen, müsste ich mir neue Begriffe suchen. Und keiner dieser Begriffe passt wirklich zu mir.
Es ist ein Akt der Gleichgültigkeit.
Einerseits bin ich privilegiert, da ich nicht darum kämpfen muss, dass statt dem weiblich ein männlich oder sonstigem steht.
Als deutsche Staatsbürgerin habe ich viele Möglichkeiten. Und ich habe kein Land über meiner eigentlichen nationalen Identität.
Das ginge auch nicht, denn ich habe keine nationale Identität.
Und dies geht über in meiner Gedanken. Politisch kann ich mich nicht festlegen.
Dies ist das Komische an Identifikationsbegriffen. Sie sollen ganze Bereiche überdecken bzw. betiteln.
Meine Wurzeln sind polnisch, aber ist es der Baum? Nicht ganz, er ist mehr als das.
Sooft wurde ich gefragt: "Woher kommst du?"
Ich sage, das ist keine leichte Frage.
Denn in diesem Moment komme ich von zuhause. Aber eigentlich wurde ich woanders geboren und meine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, die auch.
Vielleicht sollten wir aufhören zu fragen, woher jemand kommt und anfangen zu fragen, wohin jemand gehen will.
Und um zurück zu meinen anfänglichen Gedanken zu kommen, selbst mit meinem Namen kann ich mich nicht identifizieren. Ich nehme ihn hin, aber jedesmal, wenn ich ihn höre, spüre ich etwas Befremdliches.
Vielleicht bin ich letztendlich doch ein Baum ohne Wurzeln, aber einer mit Ästen und Blättern.
Und nein, das ist kein Coming out. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne, denn homosexuell bin ich auch nicht. Mit Bi, Pan, Asexualität kann ich nichts anfangen.
Ich bin keine Deutsche.
Ich bin nicht Polin, nicht Französin. Nicht Europäerin oder Kosmopolit.
Ich bin keine Frau, aber auch kein Mann. Gar nichts bin ich aber auch nicht. Und beides erst recht nicht.
Jedesmal wenn ich versuche, einen Begriff zu nehmen und ihn über mein Ich zu stellen, misslingt mir dies.
Anfangs hört er sich nett an, aber wenn ich versuche zu sagen, dass ich mich mit ihm identifiziere, hört alles auf.
Er verliert an Bedeutung.
Es mag sein, dass viele Menschen einen oder mehrere Begriffe brauchen, um sich selbst zu finden. Mir selbst helfen diese Begriffe nicht. Sie sind nur bedeutungsvoll durch ihren historischen Kontext. Das Wort homosexuell gibt es noch nicht einmal zweihundert Jahre, geschweige denn transgender.
In meinem Pass steht, dass ich Deutsche bin.
In meinem Pass steht, dass ich eine Frau bin.
Und allgemein bezieht man sich auf mich mit dem Pronomen Sie.
Ich komme damit klar, mir ist es egal. Wenn jetzt jemand sagen würde, ich wäre keine Deutsche...Ich weiß es nicht.
Diese Identifikationsbegriffe sind da und sie passen nicht ganz zu mir. Wenn jemand versucht, sie mir wegzunehmen, müsste ich mir neue Begriffe suchen. Und keiner dieser Begriffe passt wirklich zu mir.
Es ist ein Akt der Gleichgültigkeit.
Einerseits bin ich privilegiert, da ich nicht darum kämpfen muss, dass statt dem weiblich ein männlich oder sonstigem steht.
Als deutsche Staatsbürgerin habe ich viele Möglichkeiten. Und ich habe kein Land über meiner eigentlichen nationalen Identität.
Das ginge auch nicht, denn ich habe keine nationale Identität.
Und dies geht über in meiner Gedanken. Politisch kann ich mich nicht festlegen.
Dies ist das Komische an Identifikationsbegriffen. Sie sollen ganze Bereiche überdecken bzw. betiteln.
Meine Wurzeln sind polnisch, aber ist es der Baum? Nicht ganz, er ist mehr als das.
Sooft wurde ich gefragt: "Woher kommst du?"
Ich sage, das ist keine leichte Frage.
Denn in diesem Moment komme ich von zuhause. Aber eigentlich wurde ich woanders geboren und meine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, die auch.
Vielleicht sollten wir aufhören zu fragen, woher jemand kommt und anfangen zu fragen, wohin jemand gehen will.
Und um zurück zu meinen anfänglichen Gedanken zu kommen, selbst mit meinem Namen kann ich mich nicht identifizieren. Ich nehme ihn hin, aber jedesmal, wenn ich ihn höre, spüre ich etwas Befremdliches.
Vielleicht bin ich letztendlich doch ein Baum ohne Wurzeln, aber einer mit Ästen und Blättern.
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