2. Februar 2017

Schönheit

Es wird geschrubbt und gestriegelt.
Gesehnt nach Perfektion.
Ein Blick in den Spiegel löst Zweifel aus.
Man greift nach Cremes, nach Seifen, nach Camouflage
Um jenes Ich, welches man verkörpert, zu verstecken.
Anzupassen an Ideale.
Woher sie kommen, kann niemand sagen und doch
beherrschen sie die Gedanken, die durch den Kopf gehen
während der unglücklichen Betrachtung im Spiegel.

Da zu dick, da zu dünn.
Dort zu rund und dort zu klein.
Die Nase sollte flacher sein, die Haare
lockiger, länger, glätter, glänzender, kürzer.
Ein Griff an den Arm bringt das Faß fast zum überlaufen:
Trotz täglichen Stemmen, Boxen, Laufen
sieht er doch nicht aus, wie man es sich wünscht.

Doch ich sage: gebt mir eure krummen Nasen!
Die X- und O-Beine, die runden Stellen und die dünnen.
Zeigt mir die buschigen Augenbrauen, die ihr unter Schmerzen formt.
Denke stets, die flachste Brust kann genauso entzücken, wie es die Figur einem
Taxi in einem langen schwarzen Abendkleid am hellichten Morgen entsteigend,
vorgezeigt hat.
Imperfektion ist Gold, ist Ich, ist Du.

Ich täte alles,
um das Glitzern in den Augen,
die Lachfalten im Gesicht
und das entspannte Lächeln eines Menschen zu erblicken.
Ich muss keinen Lidstrich sehen
der länger ist als Dein Kleid, um beeindruckt zu sein.
Zeit ist kostbar, doch nicht Geld.
Zeit ist Leben und damit mehr wert als
Schuhe, die nicht passen,
Kleider, die zwicken,
Hosen, die rutschen.


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