8. August 2014

Das Ist Gut

Ich habe mir vor nicht allzu kurzer Zeit eine Situation vorgestellt, die so oft im Alltag vorkommt. Zumindestens bei mir

Person 1: Ich war letztens im Kino und habe den Film XY gesehen.
Person 2: Und wie war er?
Person 1: Der Film war gut/schlecht7zufriedenstellend/hätte besser sein können/ ...

Der Film kann natürlich auch mit einer Band, einem Song, einem Buch oder ähnlichem ersetzt werden.

Verwunderlich ist, dass die erste Person den Film so bewertet, als kenne er die Meinung von jedem. Man kann ja an keinem Diagramm festlegen, wie gut oder schlecht etwas ist. Jeder hat seine eigene Meinung oder bildet sich eine. Natürlich gibt es dann Mehrheiten und Minderheiten die den zu bewertenden Gegenstand ähnlich bewerten.

Eigentlich ist es absolut inkorrekt zu sagen, dass etwas schlecht oder gut sei. Denn im Prinzip ist alles gut und schlecht. Denn es findet sich immer jemand, dem etwas gefällt oder missfällt.
Mir ist eigentlich nichts bekannt, dass jeder und wirklich jeder gut oder schlecht findet. Aber ich kenne ja auch nicht jeden Menschen auf der Welt.

Korrekterweise hätte der eben genannte Dialog in etwa so vonstattengehen sollen :

Person 1: Ich war letztens im Kino und haben den Film XY gesehen.
Person 2: Und? Wie fandest Du den Film?
Person 1: Er hat mir besonders gut/gut/sehr/nicht/... gefallen
Und aus so einer Situation kann auch eine ordentliche Diskussion entstehen. Denn es ist schließlich die subjektive Meinung die man teilt. Ich denke, es kann eigentlich keine objektiven Meinungen geben. Es sei denn, man versetzt sich in in eine Gruppe von Personen.


Ich finde, es ist Schwachsinn zu sagen, ein Film sei schlecht oder gut. Ich mag es, wenn jemand sagt, ob er ihm gefallen oder nicht gefallen hat.

Wenn man sagt, ein Gegenstand wäre schlecht, müssen ihn wohl alle schlecht finden.


Natürlich kann ein Mensch nicht immer Ich-Botschaften verbreiten. Schließlich kann das irgendwann auch ziemlich künstlich und irgendwie narzisstisch klingen. Wenn ich ständig "ich" höre oder sage, bekomme ich ein schlechtes Gefühl.

Aber wenn man einer Person begegnet, die jenen Gegenstand nicht kennt, sollte man, meiner Meinung nach, seine Meinung nicht offen kundgeben. Deswegen lese ich auch selten Buch- oder Filmrezensionen. Ironie des Schicksals? Ich schreibe selber welche.
Aber ich lese sie, wenn ich dieses Buch schon gelesen oder einen bestimmten Film bereits geguckt habe. Um meine Meinung zu erweitern und um mich auszutauschen. Vielleicht sind mir bestimmte Kleinigkeiten oder Vergleichsmöglichkeiten nicht aufgefallen.

Ein Beispiel: Mein absolutes Lieblingsbuch ist Jane Eyre. Und natürlich habe ich auch die BBC-Verfilmung gesehen. Und die Verfilmung mit Wasikowska, Fassbender und Judi Dench, die meines Erachtens keine Verfilmung sondern ein Kunstfilm ist. Diese Farben sind wunderschön! (Da beißt die Katze sich in den Schwanz: Ich fand die Farben nicht wunderschön, sondern die Farben sind wunderschön. Jeder ist unvollkommen)

In einem Extra zum Film wurde jedenfalls ein Vergleich zu Rebecca von Daphne du Maurier angestellt. Das Buch lese ich gerade, jedoch kenne ich auch den Film von Hitchcock mit Laurence Olivier und Jane Fontaine. (Ich liebe Laurence Olivier, nur mal nebenbei)

Vorher hatte ich nie daran gedacht und nun war bei mir der Groschen gefallen.


Und um jetzt zur Verwirrung zu kommen: Vielleicht sollten wir ja nichts bewerten, sondern alles hinnehmen, wie es ist.