Oft passiert es, dass wenn ich an England denke, mir sofort ein Bild von einem Butler vorschwebt.
Ein Butler in schwarz und weiß gekleidet mit einem Auftreten gemischt mit Nonchalance, Kühle und Kontrolle.
Er gibt nie seine Gefühle nach außen preis. Er begegnet jedem mit Höflichkeit, versucht dennoch unsichtbar zu bleiben.
Bevor ich das Buch Was Vom Tage Übrigblieb las, sah
ich die Verfilmung mit Anthony Hopkins und Emma Thompson. Sie gefiel
mir. Nichtsdestotrotz fand ich sie träge. Oder auch nicht träge.
Jedenfalls passte es zum Thema. Denn es geht um einen Butler, der schon
recht alt geworden ist und zurückschaut.
Und ich sage bewusst Butler. Denn er ist vielmehr als ein Mann oder ein Engländer.
Er arbeitet nicht nur als Butler. Er ist einer.
Er
lebt ein kontrolliertes Leben. Denn er ist immer im Dienst. Sein
größtes Ziel: Die Würde. Allerdings ist es ihm noch wichtiger seinem
Herrn zu dienen.
Er
spricht von der vorherigen Generation von Butlern, welche es
beabsichtigen, die Treppe aufzusteigen bis sie in einem Haus beschäftigt
sind, welches einer Adelsfamilie gehört.
Er,
Mr. Stevens, dessen Vornamen der Leser nicht erfährt, meint, dass seine
Generation einer Person dienen möchte, egal welchen Standes sie auch
entspringt, die Großes tut. Bewegendes.
Er
hat keine politische Meinung. Er widerspricht seinem Herrn nicht. Er
stimmt ihm nicht zu. Es ist ihm eigentlich auch egal, was sein Herr
denkt, solange er es mit sich moralisch vereinbaren kann.
Solange er keine moralischen Zweifel an seinem Herrn hat, hat er nichts zu befürchten.
Und dennoch, als sein Herr stirbt, verleugnet er ihn. Nicht unbedingt mit Absicht.
Er möchte nur bedingt auffallen. Er möchte bei jedem in der Gunst stehen.
Aber eigentlich ist er niemandes Freund. Er ist nur jedermanns Diener.