4. August 2014

Kazuo Ishiguros "Was Vom Tage Übrigblieb" (The Remain Of The Day)

Oft passiert es, dass wenn ich an England denke, mir sofort ein Bild von einem Butler vorschwebt. 
Ein Butler in schwarz und weiß gekleidet mit einem Auftreten gemischt mit Nonchalance, Kühle und Kontrolle.
Er gibt nie seine Gefühle nach außen preis. Er begegnet jedem mit Höflichkeit, versucht dennoch unsichtbar zu bleiben. 
Bevor ich das Buch Was Vom Tage Übrigblieb las, sah ich die Verfilmung mit Anthony Hopkins und Emma Thompson. Sie gefiel mir. Nichtsdestotrotz fand ich sie träge. Oder auch nicht träge. Jedenfalls passte es zum Thema. Denn es geht um einen Butler, der schon recht alt geworden ist und zurückschaut.
 Und ich sage bewusst Butler. Denn er ist vielmehr als ein Mann oder ein Engländer.
Er arbeitet nicht nur als Butler. Er ist einer. 

Er lebt ein kontrolliertes Leben. Denn er ist immer im Dienst. Sein größtes Ziel: Die Würde. Allerdings ist es ihm noch wichtiger seinem Herrn zu dienen.

Er spricht von der vorherigen Generation von Butlern, welche es beabsichtigen, die Treppe aufzusteigen bis sie in einem Haus beschäftigt sind, welches einer Adelsfamilie gehört. 

Er, Mr. Stevens, dessen Vornamen der Leser nicht erfährt, meint, dass seine Generation einer Person dienen möchte, egal welchen Standes sie auch entspringt, die Großes tut. Bewegendes. 

Er hat keine politische Meinung. Er widerspricht seinem Herrn nicht. Er stimmt ihm nicht zu. Es ist ihm eigentlich auch egal, was sein Herr denkt, solange er es mit sich moralisch vereinbaren kann. 
Solange er keine moralischen Zweifel an seinem Herrn hat, hat er nichts zu befürchten. 


Und dennoch, als sein Herr stirbt, verleugnet er ihn. Nicht unbedingt mit Absicht. 
Er möchte nur bedingt auffallen. Er möchte bei jedem in der Gunst stehen.
Aber eigentlich ist er niemandes Freund. Er ist nur jedermanns Diener.