21. September 2014

Die Schublade

Warum haben Menschen das Bedürfnis, andere Menschen in Schubladen zu stecken? Einen Titel zu geben?
Wieso geschieht das so früh? Wieso haben wir eigentlich Vorurteile?

Ein Vorurteil ist wie ein Urinstinkt. Er ist da und lässt sich oft nicht vermeiden. Es ist wie eine Stimme, die von innen kommt und einer anderen Person ein Urteil abgibt.

Selbst wenn wir nie mit der anderen Person geredet haben.

Wenn ich einer Person begegne, habe ich ein Bauchgefühl. Mein Bauch sagt mir, ob ich diese Person sympathisch finde oder ob ich nichts mit ihr zu tun haben möchte.

Anstatt Taten sprechen zu lassen, lasse ich es dennoch erstmal darauf ankommen. Zu 70 Prozent mag meine innere Stimme zwar Recht haben, aber trotzdem bildet sie sich ihr Urteil aufgrund von Gesichtsausdrücken.

Ab und an entpuppt sich der Mensch als sehr nett. Es war eben dieser eine Gesichtsausdruck oder der bestimmte Ton in der Stimme den mein Unterbewusstsein aufgenommen und bewertet hat.

Wie ein Reiz der im Zentralen Nervensystem ausgewertet wird, woraufhin die Reaktion der Muskeln bestimmt wird.

Ich denke, dass so ziemlich jeder so ein Gefühl kennt. Manche agieren, wie ich es tue. Sie hören erstmal nicht auf die Stimme, sondern machen sich einen Gesamteindruck.


Andere jedoch lassen sich von diesem Vorurteil leiten. Schlimmer noch: Sie übertragen es auf eine ganze Menschengruppe!

Wir Menschen sind ja alle gleich, was den Körper betrifft. Der ist sowieso einmal egal. Denn irgendwann kommt der Moment, in welchem nicht das Äußere zählt, sondern die Seele und ihr Können.

Wir können ein Individuum nicht in eine Gruppe reinpressen. Wir Menschen sind alle wie ein Türschloss. Von außen sehen wir gleich aus, aber innen haben wir alle unterschiedliche Formen.

Klar fällt mir auf, wenn jemand anders aussieht als ich. Sei es die Haut-, Augen- oder Haarfarbe. Aber wieso sollte man einen Menschen wegen seines Äußeren diskriminieren?
Dafür kann man ja meistens nichts. Man sieht eben so aus, wie man aussieht.


Aber man kann etwas für seinen Charakter. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir dirigieren können, wie wir werden, wenn wir sehr entschlossen dabei sind. Jeder Mensch kann sich ändern.

Und ich? Ich bin süchtig nach Änderungen.

9. September 2014

Die Ideale

Manch einer hat sie, manch anderer wiederum nicht. Ideale sind etwas, woran wir selbst wohl nie rankommen werden. Es ist immer ein anderer Mensch, der uns zu Idealen führt, weil er diesen entspricht.

Würde man auch für seine Ideale sterben?
Viele würden diese Frage beneinen. Verständlich. Wir haben ein Recht darauf zu Leben. Einige missbrauchen oder missachten oder beleidigen dieses Recht, aber schließlich haben wir eigentlich auch das Recht zu Sterben.

Für die Mehrheit hat der Gedanke an den Tod wohl etwas sehr Angsteinflößendes.
Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich bin sogar sehr neugierig. Ich will nur nicht jetzt sterben. Ich will etwas bewirkt haben bevor ich gehe. Etwas geändert.
Wenn man mir sagen würde, dass ich morgen sterben würde, ich würde versuchen etwas zu ändern.

Nun, habe ich heute Monuments Men gesehen. Eine Geschichte, eine wahre außerdem, in welcher Männer mit künstlerischem Sinn Kunstwerke gerettet haben, welche von den Nazis eigentlich zerstört werden sollten.

Wer jetzt sagt, dass es doch nur Kunstwerke waren, darf diesen Blog herzlich gern verlassen.

Denn was bringt uns die Menschheit, wenn wir keinen Abdruck hinterlassen? Wie sollen die vielen Generationen uns verstehen, wenn nicht durch unsere Kultur?

Die Kultur ist die Seele eines Volkes. Und die Seele ist unsterblich, wenn wir gut auf sie achten.

Der Präsident der Staaten fragte am Ende des Films: Hat es sich wirklich gelohnt für ein Kunstwerk zu sterben?
Die Antwort des Präsentierenden lautete Ja.

Es muss beängstigend sein, zu glauben, nach dem Tod wäre nichts. An diesen Gedanken will ich mich nicht festhalten.

Aber wenn man die Welt verlassen hat und man weiß, dass man einst für seine Ideale gekämpft hat oder sogar für sie gestorben ist, hat man ein Lebensziel erreicht.

Mancher hat das Ideal von einer Familie. Der andere Mensch von der Kunst, ein weiterer von der Leidenschaft.

Habe ich Ideale?
Eigentlich nicht. Ich habe eher....einen Traum.

Jeder, der etwas über Martin-Luther King weiß, könnte sich in etwa vorstellen, wie ich jetzt weiterschreiben würde.

Ideale sind zu differenzieren.

Menschliche oder emotionale Ideale und materielle, politische oder auch künstlerische Ideale.

Emotionale Ideale sind diese, die von innen kommen müssen. Sie müssen sich entwickeln. Denn diese hat man von einem anderen Menschen, welcher jenen manchmal unabsichtlich entspricht. Dieser Mensch ist unser Idol. Wenn unser Idol uns enttäuscht, wenn es zum Beispiel den idealen Eigenschaften entsagt, müssen wir uns ein neues Ideal suchen oder uns einfach mal akzeptieren, wie wir sind.

Das ist wahrscheinlich der Grund, wieso wir uns ein Idol suchen oder einen  Menschen idealisieren: Wir wollen uns nicht akzeptieren. Der Mensch visualisiert unsere Vorstellungen von einer Perfektion. Diese Perfektion werden wir nie erreichen auch unser Idol nicht.

Nun zu der anderen Sorte von Idealen.
Wieder geht es um Perfektion. Aber es geht nicht richtig um uns, sondern eher um die Gesellschaft. Unsere Vorstellung von einer perfekten Gemeinschaft.
Manch einer liest ein Buch und wünscht sich, in dieser Welt leben zu können.

Da fällt mir eine Szene aus Woody Allens Bullets over Broadway ein:
Eine Gruppe von Freunden und Bekannten sitzen abends in einem Café oder einem Restaurant.(Eine typische Woody-Allen-Szene)
Einer fängt an von einem Szenario zu sprechen. Nämlich von einem Brand in einem Haus. Dabei sagt er: Wenn ich die Wahl hätte, einen Menschen zu retten oder einen Shakespeare-Band, ich würde Shakespeare retten.

Natürlich ist es nur ein Witz und dennoch ist es wichtig, unsere Kultur zu erhalten. Selten wird von der Realität geschrieben. Es ist Fiktion und unterbewusst auch ein Wunsch oder eine Vorstellung.

Wie sollen uns die Menschen in 200 Jahren verstehen, wenn sie unsere Kultur nicht kennen?

31. August 2014

Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.
Victor Hugo


Wer bin ich? Wo gehöre ich hin?
Seit Jahren weiß ich, dass ich eine Nomadin bin.
Ich habe kein richtiges Heim, habe nie eins gehabt.
Bin ich nun angekommen, ich weiß nicht, was meine Stimme sagt.
Ich will nach Hause und weiß nicht, wo das liegt.
Es ist der Kummer und der Schmerz, den es trägt.
Mein Herz voller Trauer, ich will nicht mehr leiden.
Was ich will? Ich will mich treiben lassen.
Und eigentlich will ich nichts.
Ich will Ruhe und Lärm zur selben Zeit.
Ich will Licht und Dunkelkeit.
Mein Ich trübt mir die Sicht.
Ich fühle mich wund, ich fühle mich nicht leicht.
Muss ich es akzeptieren?
Wieso kann es keine Türe geben?
Keine Türe, die mich führt, hinaus führt aus dieser Welt?
Ich will schweigen und schreien. 
Ich will allein sein.
Und doch, will ich etwas ganz anderes.
Was will mein Herz? Es ist stumm.
Ich weiß nicht, was zu tun;
Vielleicht sollte ich es lassen.
Es lassen, Probleme zu suchen

25. August 2014

Die alte Kupplerin

Entnervt und verwirrt war wohl die ganze Meute am Bahnhof, als die nette Dame aus der Büchse verkündete, dass der Zug um 08:05 nach Szczecin heute leider entfallen würde.
Ich war um 06:00 Uhr wach und seit 06:30 Uhr auf den Beinen. Wohl oder übel mussten wir nach Angermünde fahren ohne die Gewissheit, ob wir tatsächlich noch nach Polen kommen würden.
Der Zug, der eigentlich nach Stralsund fährt, ist nun voller polnischer Fahrgäste und auch mit den Deutschen gefüllt, die mutig genug waren, einzusteigen.
Um 09:00 sind wir in Angermünde und es ist niemand zur Stelle, der uns freundlicherweise über unser Schicksal in Kenntnis setzen könnte.

Ungefähr 40 Minuten später erscheint ein Schienenersatzverkehr am Busbahnhof. Ein großer Teil der Fahrgäste stürzt auf den Bus zu.

Zehn Minuten später fährt der Bus ab. Die Leute sitzen aufeinander, auf den Treppen, auf dem Busfahrer, mit dem Gesicht an's Fenster gedrückt.

Es ist ein grauenhaftes Bild und doch ist es real. Da ich nicht so sehr darauf brenne, so früh wie möglich in Szczecin anzukommen und nicht allzu lebensmüde bin, warte ich auf den nächsten Zug.
Zwar ist dieser ebenso voll, dennoch hat es sich gelohnt, einzusteigen. Denn wir begegneten einem freundlichen Paar, mit welchem wir die ganze Fahrt über plauderten.

Liebe Deutsche Bahn,
durch Dich lernen sich Menschen kennen. Dies passiert leider immer seltener und darum dank ich Dir.
Obwohl ich manchmal die Titanic bevorzugen würde und Du an Deiner Organisation arbeiten könntest, mag ich es mit Dir zu fahren.

24. August 2014

N.H. Kleinbaums "Der Club der Toten Dichter"

Dieses Buch ist sehr berührend. Aber besonders entführt es einen in die amerikanische Poesie.
Es kritisiert das konservative Verhalten von Eltern gegenüber ihren fast erwachsenen Kindern.
Die Eltern wollen ihre Kinder nicht zum Denken treiben. Sie sollen gute Noten haben und es ist ihnen gleich, ob die Schüler es verstehen oder ob es sie gar interessiert.
Nach der Schule sollen sie sich dazu aufmachen, das Medizin- oder Jurastudium anzugehen.

Um dann viel Geld zu verdienen, eine ansehnliche Frau zu heiraten und ein Paar Kinder zu kriegen. Ob die Träume dafür eingebüßt werden müssen, ist den Eltern nicht einmal bekannt, da ihre Kinder nicht mit ihnen über solche Themen sprechen können.
Die Väter wollen ihr Leben wieder gutmachen, indem sie ihren Söhnen die Möglichkeiten geben, die sie selbst nicht hatten. An sich ist es natürlich nachvollziehbar und auch schön, jedoch werden die Jungen dazu gezwungen.
Sie "hätten ja keine Ahnung vom Leben. Ihnen fehle die nötige Erfahrung."
Was, wie die Lektüre zeigt, verheerende und tragische Folgen haben kann, die vermeidbar gewesen wären.

Natürlich kann man die Jugend sich nicht vollständig allein überlassen. Sie verkommt dadurch. Allerdings kann man ihnen ebenso wenig Meinungen aufzwingen.
Die Jugend ist mit einer wachsenden Blume vergleichbar, doch hat jede Blume den selben Lebenslauf, was nicht gerade zeigt, dass Blumen Individuen sind.
Doch bei Jugendlichen und Kindern handelt es sich um Individuen.

Und das Wundervolle an dieser Geschichte ist, dass ein Mensch, als Lehrer verkleidet, denn Lehrer sind zumeist keine richtigen Menschen, diesen Knaben zeigt, was das Leben zu bieten hat.
Dies' jedoch nicht direkt, sondern in Poesie versteckt. Solch' einen Menschen braucht jeder junge Mensch, wenn die Eltern nicht dazu fähig sind.
Denn nicht auf das System, sondern auf den Verstand und den Charakter kommt es an.

Denn, und hier ist der Vergleich mit den Blumen ganz passend, wenn man seine Pflanzen nicht gießt, zerfallen sie und werden zu Unkraut.
Und Unkraut ist eine unliebsame Sache, deren Entfernung äußerst mühsam ist.

Drum lasst uns die Jugend mit Leben gießen. Mit Wissen, mit Leben, mit Verstand und mit Liebe und Verständnis.

Und vor allem Verständnis.

14. August 2014

Onkel Alfred

Wenn ich meinem Onkel Alfred einen Besuch abstatte, heißt es nicht, dass ich einen Menschen besuche. Ich gucke einen Film von Alfred Hitchcock, am meisten berühmt für die Duschszene in Psycho oder für die Vögel in Die Vögel.

Viele jener Filme von Hitchcock haben mich stets von den 50ern und 40ern träumen lassen. Irgendwann habe ich letztendlich meine Oberflächlichkeit eingesehen und begraben und mich zunächst mit diesen Jahrzehnten und dann mit seinen Filmen beschäftigt.

Man sollte diese Filme nicht als alt betrachten. Denn er war für seine Zeit relativ modern. Er war es, der angefangen hat die Kühle der Frauen aus ihnen rauszuholen. Das Böse.
Denn zu jenen Zeiten und wie auch schon Jahrhunderte davor war die Frau immer das gute und zarte Wesen, die Mutter und die fromme Ehefrau.

Es erregt immer Aufsehen wenn es um die leidenschaftlichen Gefühle einer Frau geht. Zum Teil auch noch heutzutage.
Und deswegen sind die Filme von Onkel Alfred auch so genial. Er hatte auch nicht umsonst öfter Probleme mit der schrecklichen, schrecklichen Zensur.
Ich habe mich ab und zu gefragt, wieso er keine Filme mit Audrey Hepburn gedreht hat. Bis mir auffiel, dass dies doch klar auf der Hand liege. Schließlich war Hepburn eine Heilige und alles andere als kühl. Und das, obwohl sie Europäerin war. ;)

Nun, Grace Kelly war eine der Lieblinge von Hitchcock. Und das ist ebenfalls absolut verständlich. Denn sie ist ein Vorbild für die kühle Blondine.

Kommen wir zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen von Hitchcock, wobei ich so wenig wie möglich über die Handlung sprechen möchte.:

1. Eine Dame Verschwindet (The Lady Vanishes)
Dieser Film ist besonders gut für Menschen geeignet, die schon einige Agatha Christie-Bücher gelesen haben. Der Hauptteil des Films spielt in einem Zug und ich bevorzuge solche Filme sehr. Er spielt auch ein wenig mit Klischees und erinnert an Miss Marple. Der ganze Film ist wie ein Spiel mit den Nerven der Protagonistin. Sie weiß irgendwann nicht mehr, was sie selbst glauben soll.

2. Die 39 Stufen (The 39 Steps)
Bei diesem Film wurde mir am Anfang etwas schwindlig, weil alles so schnell ging. Zunächst ist man in einer Music Hall in London, ein Mr. Memory tritt auf, es werden Fragen gestellt, es wird geschossen und eine Frau wird ermordet. Der Protagonist muss fliehen.
Natürlich passiert etwas dazwischen und es gibt auch eine Liebesgeschichte. Es gibt viele Details und auch einen Zug. Ebenfalls gibt es Aufnahmen, die viel mehr sagen als 1000 Worte.

3. Rebecca
Eigentlich reicht es, wenn ich sage, dass Laurence Olivier mitspielt. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen unterstreichen die Geschichte sehr, weil viel mit Schatten und Licht gearbeitet wird. Die Person um die es geht, ist eigentlich tot und dennoch konnte Hitchcock ihre Präsenz hervorheben.

4. Bei Anruf Mord (Dial M for Murder) 
Einer der Filme mit Grace Kelly. Der gesamte Film spielt in einer Wohnung. Ein Mord wurde geplant. Doch bei der Ausübung des Plans, wird der Mörder selbst ermordet. Der Planer schafft es, die Details jedoch so zu verdrehen, als ob es keine Notwehr gewesen wäre. Fast wird das Opfer nochmal zum Opfer.

Selbstverständlich gibt es noch mehr Filme, die mir besonders gut gefallen. (Rear Window, Vertigo)  Dennoch empfehle ich einfach, jene Filme selbst zu gucken. Hitchcock war ein epischer Filmemacher. Allein seine Aufnahmen erzählten Geschichten.

Was ich auch sehr an ihm mag und was in irgendeiner Weise zu einem Running Gag geworden war, ist das Hitchcock Cameo-Auftritte in seinen eigenen Filmen hatte. Ein Cameo-Auftritt ist, wenn eine berühmte Persönlichkeit entweder als er selbst oder ganz einfach so auftritt ohne spezielle Rolle. Sie muss nicht einmal eine Sprechrolle haben.

Hier ist ein Video mit allen Cameo-Auftritten:


Ach und sagt Onkel Alfred doch Guten Tag

12. August 2014

Wissen ist Macht

Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein


Ist dem wirklich so? Wie kann Wissen begrenzt sein, wenn es doch so viel gibt, was man noch nicht weiß? Die Fantasie entspringt dem Wissen und auch dem Nicht-Wissen. Die Fantasie dient meinem Wissen. Eben jene entwickelt Theorien, welche ich mit meinem Wissen bestätigen kann. 

Und obwohl Einstein ein Genie war, konnte er doch wohl kaum alles wissen. Schließlich wissen wir auch nicht, was in der Zukunft geschehen wird.

Wäre Wissen begrenzt, gäbe es eigentlich keine Philosophie. Denn die Philosophie besteht vor allem aus Fragen zu Dingen, die wir nicht wissen und nicht beantworten können. Aber der Philosoph strebt dennoch nach Wissen. Er denkt sich Theorien aus, bei denen seine Fantasie natürlich hilft.

Ich denke nicht, dass die Fantasie wichtiger ist als Wissen. Sie sind gleichwichtig und unendlich. Und sie brauchen einander.