31. August 2014

Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.
Victor Hugo


Wer bin ich? Wo gehöre ich hin?
Seit Jahren weiß ich, dass ich eine Nomadin bin.
Ich habe kein richtiges Heim, habe nie eins gehabt.
Bin ich nun angekommen, ich weiß nicht, was meine Stimme sagt.
Ich will nach Hause und weiß nicht, wo das liegt.
Es ist der Kummer und der Schmerz, den es trägt.
Mein Herz voller Trauer, ich will nicht mehr leiden.
Was ich will? Ich will mich treiben lassen.
Und eigentlich will ich nichts.
Ich will Ruhe und Lärm zur selben Zeit.
Ich will Licht und Dunkelkeit.
Mein Ich trübt mir die Sicht.
Ich fühle mich wund, ich fühle mich nicht leicht.
Muss ich es akzeptieren?
Wieso kann es keine Türe geben?
Keine Türe, die mich führt, hinaus führt aus dieser Welt?
Ich will schweigen und schreien. 
Ich will allein sein.
Und doch, will ich etwas ganz anderes.
Was will mein Herz? Es ist stumm.
Ich weiß nicht, was zu tun;
Vielleicht sollte ich es lassen.
Es lassen, Probleme zu suchen

25. August 2014

Die alte Kupplerin

Entnervt und verwirrt war wohl die ganze Meute am Bahnhof, als die nette Dame aus der Büchse verkündete, dass der Zug um 08:05 nach Szczecin heute leider entfallen würde.
Ich war um 06:00 Uhr wach und seit 06:30 Uhr auf den Beinen. Wohl oder übel mussten wir nach Angermünde fahren ohne die Gewissheit, ob wir tatsächlich noch nach Polen kommen würden.
Der Zug, der eigentlich nach Stralsund fährt, ist nun voller polnischer Fahrgäste und auch mit den Deutschen gefüllt, die mutig genug waren, einzusteigen.
Um 09:00 sind wir in Angermünde und es ist niemand zur Stelle, der uns freundlicherweise über unser Schicksal in Kenntnis setzen könnte.

Ungefähr 40 Minuten später erscheint ein Schienenersatzverkehr am Busbahnhof. Ein großer Teil der Fahrgäste stürzt auf den Bus zu.

Zehn Minuten später fährt der Bus ab. Die Leute sitzen aufeinander, auf den Treppen, auf dem Busfahrer, mit dem Gesicht an's Fenster gedrückt.

Es ist ein grauenhaftes Bild und doch ist es real. Da ich nicht so sehr darauf brenne, so früh wie möglich in Szczecin anzukommen und nicht allzu lebensmüde bin, warte ich auf den nächsten Zug.
Zwar ist dieser ebenso voll, dennoch hat es sich gelohnt, einzusteigen. Denn wir begegneten einem freundlichen Paar, mit welchem wir die ganze Fahrt über plauderten.

Liebe Deutsche Bahn,
durch Dich lernen sich Menschen kennen. Dies passiert leider immer seltener und darum dank ich Dir.
Obwohl ich manchmal die Titanic bevorzugen würde und Du an Deiner Organisation arbeiten könntest, mag ich es mit Dir zu fahren.

24. August 2014

N.H. Kleinbaums "Der Club der Toten Dichter"

Dieses Buch ist sehr berührend. Aber besonders entführt es einen in die amerikanische Poesie.
Es kritisiert das konservative Verhalten von Eltern gegenüber ihren fast erwachsenen Kindern.
Die Eltern wollen ihre Kinder nicht zum Denken treiben. Sie sollen gute Noten haben und es ist ihnen gleich, ob die Schüler es verstehen oder ob es sie gar interessiert.
Nach der Schule sollen sie sich dazu aufmachen, das Medizin- oder Jurastudium anzugehen.

Um dann viel Geld zu verdienen, eine ansehnliche Frau zu heiraten und ein Paar Kinder zu kriegen. Ob die Träume dafür eingebüßt werden müssen, ist den Eltern nicht einmal bekannt, da ihre Kinder nicht mit ihnen über solche Themen sprechen können.
Die Väter wollen ihr Leben wieder gutmachen, indem sie ihren Söhnen die Möglichkeiten geben, die sie selbst nicht hatten. An sich ist es natürlich nachvollziehbar und auch schön, jedoch werden die Jungen dazu gezwungen.
Sie "hätten ja keine Ahnung vom Leben. Ihnen fehle die nötige Erfahrung."
Was, wie die Lektüre zeigt, verheerende und tragische Folgen haben kann, die vermeidbar gewesen wären.

Natürlich kann man die Jugend sich nicht vollständig allein überlassen. Sie verkommt dadurch. Allerdings kann man ihnen ebenso wenig Meinungen aufzwingen.
Die Jugend ist mit einer wachsenden Blume vergleichbar, doch hat jede Blume den selben Lebenslauf, was nicht gerade zeigt, dass Blumen Individuen sind.
Doch bei Jugendlichen und Kindern handelt es sich um Individuen.

Und das Wundervolle an dieser Geschichte ist, dass ein Mensch, als Lehrer verkleidet, denn Lehrer sind zumeist keine richtigen Menschen, diesen Knaben zeigt, was das Leben zu bieten hat.
Dies' jedoch nicht direkt, sondern in Poesie versteckt. Solch' einen Menschen braucht jeder junge Mensch, wenn die Eltern nicht dazu fähig sind.
Denn nicht auf das System, sondern auf den Verstand und den Charakter kommt es an.

Denn, und hier ist der Vergleich mit den Blumen ganz passend, wenn man seine Pflanzen nicht gießt, zerfallen sie und werden zu Unkraut.
Und Unkraut ist eine unliebsame Sache, deren Entfernung äußerst mühsam ist.

Drum lasst uns die Jugend mit Leben gießen. Mit Wissen, mit Leben, mit Verstand und mit Liebe und Verständnis.

Und vor allem Verständnis.

14. August 2014

Onkel Alfred

Wenn ich meinem Onkel Alfred einen Besuch abstatte, heißt es nicht, dass ich einen Menschen besuche. Ich gucke einen Film von Alfred Hitchcock, am meisten berühmt für die Duschszene in Psycho oder für die Vögel in Die Vögel.

Viele jener Filme von Hitchcock haben mich stets von den 50ern und 40ern träumen lassen. Irgendwann habe ich letztendlich meine Oberflächlichkeit eingesehen und begraben und mich zunächst mit diesen Jahrzehnten und dann mit seinen Filmen beschäftigt.

Man sollte diese Filme nicht als alt betrachten. Denn er war für seine Zeit relativ modern. Er war es, der angefangen hat die Kühle der Frauen aus ihnen rauszuholen. Das Böse.
Denn zu jenen Zeiten und wie auch schon Jahrhunderte davor war die Frau immer das gute und zarte Wesen, die Mutter und die fromme Ehefrau.

Es erregt immer Aufsehen wenn es um die leidenschaftlichen Gefühle einer Frau geht. Zum Teil auch noch heutzutage.
Und deswegen sind die Filme von Onkel Alfred auch so genial. Er hatte auch nicht umsonst öfter Probleme mit der schrecklichen, schrecklichen Zensur.
Ich habe mich ab und zu gefragt, wieso er keine Filme mit Audrey Hepburn gedreht hat. Bis mir auffiel, dass dies doch klar auf der Hand liege. Schließlich war Hepburn eine Heilige und alles andere als kühl. Und das, obwohl sie Europäerin war. ;)

Nun, Grace Kelly war eine der Lieblinge von Hitchcock. Und das ist ebenfalls absolut verständlich. Denn sie ist ein Vorbild für die kühle Blondine.

Kommen wir zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen von Hitchcock, wobei ich so wenig wie möglich über die Handlung sprechen möchte.:

1. Eine Dame Verschwindet (The Lady Vanishes)
Dieser Film ist besonders gut für Menschen geeignet, die schon einige Agatha Christie-Bücher gelesen haben. Der Hauptteil des Films spielt in einem Zug und ich bevorzuge solche Filme sehr. Er spielt auch ein wenig mit Klischees und erinnert an Miss Marple. Der ganze Film ist wie ein Spiel mit den Nerven der Protagonistin. Sie weiß irgendwann nicht mehr, was sie selbst glauben soll.

2. Die 39 Stufen (The 39 Steps)
Bei diesem Film wurde mir am Anfang etwas schwindlig, weil alles so schnell ging. Zunächst ist man in einer Music Hall in London, ein Mr. Memory tritt auf, es werden Fragen gestellt, es wird geschossen und eine Frau wird ermordet. Der Protagonist muss fliehen.
Natürlich passiert etwas dazwischen und es gibt auch eine Liebesgeschichte. Es gibt viele Details und auch einen Zug. Ebenfalls gibt es Aufnahmen, die viel mehr sagen als 1000 Worte.

3. Rebecca
Eigentlich reicht es, wenn ich sage, dass Laurence Olivier mitspielt. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen unterstreichen die Geschichte sehr, weil viel mit Schatten und Licht gearbeitet wird. Die Person um die es geht, ist eigentlich tot und dennoch konnte Hitchcock ihre Präsenz hervorheben.

4. Bei Anruf Mord (Dial M for Murder) 
Einer der Filme mit Grace Kelly. Der gesamte Film spielt in einer Wohnung. Ein Mord wurde geplant. Doch bei der Ausübung des Plans, wird der Mörder selbst ermordet. Der Planer schafft es, die Details jedoch so zu verdrehen, als ob es keine Notwehr gewesen wäre. Fast wird das Opfer nochmal zum Opfer.

Selbstverständlich gibt es noch mehr Filme, die mir besonders gut gefallen. (Rear Window, Vertigo)  Dennoch empfehle ich einfach, jene Filme selbst zu gucken. Hitchcock war ein epischer Filmemacher. Allein seine Aufnahmen erzählten Geschichten.

Was ich auch sehr an ihm mag und was in irgendeiner Weise zu einem Running Gag geworden war, ist das Hitchcock Cameo-Auftritte in seinen eigenen Filmen hatte. Ein Cameo-Auftritt ist, wenn eine berühmte Persönlichkeit entweder als er selbst oder ganz einfach so auftritt ohne spezielle Rolle. Sie muss nicht einmal eine Sprechrolle haben.

Hier ist ein Video mit allen Cameo-Auftritten:


Ach und sagt Onkel Alfred doch Guten Tag

12. August 2014

Wissen ist Macht

Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein


Ist dem wirklich so? Wie kann Wissen begrenzt sein, wenn es doch so viel gibt, was man noch nicht weiß? Die Fantasie entspringt dem Wissen und auch dem Nicht-Wissen. Die Fantasie dient meinem Wissen. Eben jene entwickelt Theorien, welche ich mit meinem Wissen bestätigen kann. 

Und obwohl Einstein ein Genie war, konnte er doch wohl kaum alles wissen. Schließlich wissen wir auch nicht, was in der Zukunft geschehen wird.

Wäre Wissen begrenzt, gäbe es eigentlich keine Philosophie. Denn die Philosophie besteht vor allem aus Fragen zu Dingen, die wir nicht wissen und nicht beantworten können. Aber der Philosoph strebt dennoch nach Wissen. Er denkt sich Theorien aus, bei denen seine Fantasie natürlich hilft.

Ich denke nicht, dass die Fantasie wichtiger ist als Wissen. Sie sind gleichwichtig und unendlich. Und sie brauchen einander.




10. August 2014

Über Jane Eyre

Es ist nicht ohne Grund eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Es ist das erste Buch, welches mein Herz mit Leid, Freude und Leidenschaft gefüllt hat.
Eine Zusammenfassung der Geschichte sieht folgendermaßen aus:

Es spielt sich im 19. Jahrhundert ab, in der damaligen Moderne. Das Buch erschien 1847. Charlotte Bronte war gewissermaßen gezwungen es unter einem Pseudonym zu veröffentlichen wie auch ihre Geschwister Anne (Agnes Grey) und Emily Bronte (Wuthering Heights).
Denn Jane Eyre ist kein gewöhnlicher Liebesroman. Er handelt von einer Waise, welche von ihrer Stieftante verstoßen, sich letztendlich in einem dürftigen Internat für Mädchen ausbilden lässt. Sie wächst auf ohne jegliche familiäre Liebe. Mit 18 beschließt sie die Schule zu verlassen, in welcher sie für zwei Jahre als Lehrerin tätig war, und (sehr ungewöhnlich für jene Zeit) inseriert. Sie bekommt eine Stelle als Gouvernante in Thornfield Hall und unterrichtet das französische Mündel Adele von Mr. Rochester. Sie ist seltsam fasziniert von ihm und er scheint mit ihren Gefühlen zu spielen.

Nun weiter möchte ich auch nicht erzählen, denn es wird bestimmt Menschen geben, die diesen wundervollen und sehr leicht zu lesenden Roman lesen wollen. Es lohnt sich definitv.


Nun, obwohl Jane Eyre vor ca. 150 Jahren geschrieben wurde, ist sie dennoch eine sehr moderne Frau und Figur. Sie will unabhängig sein und ihr ist eine Heirat mit irgendeinem Bourgeois nicht sonderlich reizvoll.
Sie hält zu ihren Prinzipien und bleibt ihnen eisern treu. Sie ist voller Vernunft, Unschuld und doch auch voller Leidenschaft.
Sie unterscheidet zwischen Recht und Unrecht und kennt ihre Grenzen. Sie würde alles für ihre Freunde tun, "alles was rechtens ist."

Jane Eyre war ein vielleicht revolutionärer Roman zu seinen Zeiten. Denn schließlich ging es um eine Gouvernante, eine Frau die ihr eigenes Geld verdient und mit einem Mann, der gesellschaftlich viel höher steht als sie, spricht wie mit einem Gleichwertigen.
Sie war auch nicht sonderlich hübsch. Zumindestens entsprach ihr Äußeres nicht den damaligen Vorstellungen von Schönheit.

Sie arbeitet lieber an ihrem Charakter und ihrem Wissen als an ihrem Aussehen. Ihr sind nur die inneren Werte wichtig. Es ist bewundernswert. Ich muss zugeben, sie gehört für mich zu einem Ideal.

So sollte ein Mensch sein. Aufrichtig, unvollkommen, intelligent, ruhig und unabhängig.
Aber man kann von den Menschen wohl kaum erwarten, dass sie sich alle gleichen.
Das wäre ziemlich langweilig.


Es ist eine Liebeserklärung an diese Geschichte und eine Auseinandersetzung mit derselben.


8. August 2014

Das Ist Gut

Ich habe mir vor nicht allzu kurzer Zeit eine Situation vorgestellt, die so oft im Alltag vorkommt. Zumindestens bei mir

Person 1: Ich war letztens im Kino und habe den Film XY gesehen.
Person 2: Und wie war er?
Person 1: Der Film war gut/schlecht7zufriedenstellend/hätte besser sein können/ ...

Der Film kann natürlich auch mit einer Band, einem Song, einem Buch oder ähnlichem ersetzt werden.

Verwunderlich ist, dass die erste Person den Film so bewertet, als kenne er die Meinung von jedem. Man kann ja an keinem Diagramm festlegen, wie gut oder schlecht etwas ist. Jeder hat seine eigene Meinung oder bildet sich eine. Natürlich gibt es dann Mehrheiten und Minderheiten die den zu bewertenden Gegenstand ähnlich bewerten.

Eigentlich ist es absolut inkorrekt zu sagen, dass etwas schlecht oder gut sei. Denn im Prinzip ist alles gut und schlecht. Denn es findet sich immer jemand, dem etwas gefällt oder missfällt.
Mir ist eigentlich nichts bekannt, dass jeder und wirklich jeder gut oder schlecht findet. Aber ich kenne ja auch nicht jeden Menschen auf der Welt.

Korrekterweise hätte der eben genannte Dialog in etwa so vonstattengehen sollen :

Person 1: Ich war letztens im Kino und haben den Film XY gesehen.
Person 2: Und? Wie fandest Du den Film?
Person 1: Er hat mir besonders gut/gut/sehr/nicht/... gefallen
Und aus so einer Situation kann auch eine ordentliche Diskussion entstehen. Denn es ist schließlich die subjektive Meinung die man teilt. Ich denke, es kann eigentlich keine objektiven Meinungen geben. Es sei denn, man versetzt sich in in eine Gruppe von Personen.


Ich finde, es ist Schwachsinn zu sagen, ein Film sei schlecht oder gut. Ich mag es, wenn jemand sagt, ob er ihm gefallen oder nicht gefallen hat.

Wenn man sagt, ein Gegenstand wäre schlecht, müssen ihn wohl alle schlecht finden.


Natürlich kann ein Mensch nicht immer Ich-Botschaften verbreiten. Schließlich kann das irgendwann auch ziemlich künstlich und irgendwie narzisstisch klingen. Wenn ich ständig "ich" höre oder sage, bekomme ich ein schlechtes Gefühl.

Aber wenn man einer Person begegnet, die jenen Gegenstand nicht kennt, sollte man, meiner Meinung nach, seine Meinung nicht offen kundgeben. Deswegen lese ich auch selten Buch- oder Filmrezensionen. Ironie des Schicksals? Ich schreibe selber welche.
Aber ich lese sie, wenn ich dieses Buch schon gelesen oder einen bestimmten Film bereits geguckt habe. Um meine Meinung zu erweitern und um mich auszutauschen. Vielleicht sind mir bestimmte Kleinigkeiten oder Vergleichsmöglichkeiten nicht aufgefallen.

Ein Beispiel: Mein absolutes Lieblingsbuch ist Jane Eyre. Und natürlich habe ich auch die BBC-Verfilmung gesehen. Und die Verfilmung mit Wasikowska, Fassbender und Judi Dench, die meines Erachtens keine Verfilmung sondern ein Kunstfilm ist. Diese Farben sind wunderschön! (Da beißt die Katze sich in den Schwanz: Ich fand die Farben nicht wunderschön, sondern die Farben sind wunderschön. Jeder ist unvollkommen)

In einem Extra zum Film wurde jedenfalls ein Vergleich zu Rebecca von Daphne du Maurier angestellt. Das Buch lese ich gerade, jedoch kenne ich auch den Film von Hitchcock mit Laurence Olivier und Jane Fontaine. (Ich liebe Laurence Olivier, nur mal nebenbei)

Vorher hatte ich nie daran gedacht und nun war bei mir der Groschen gefallen.


Und um jetzt zur Verwirrung zu kommen: Vielleicht sollten wir ja nichts bewerten, sondern alles hinnehmen, wie es ist. 

4. August 2014

Kazuo Ishiguros "Was Vom Tage Übrigblieb" (The Remain Of The Day)

Oft passiert es, dass wenn ich an England denke, mir sofort ein Bild von einem Butler vorschwebt. 
Ein Butler in schwarz und weiß gekleidet mit einem Auftreten gemischt mit Nonchalance, Kühle und Kontrolle.
Er gibt nie seine Gefühle nach außen preis. Er begegnet jedem mit Höflichkeit, versucht dennoch unsichtbar zu bleiben. 
Bevor ich das Buch Was Vom Tage Übrigblieb las, sah ich die Verfilmung mit Anthony Hopkins und Emma Thompson. Sie gefiel mir. Nichtsdestotrotz fand ich sie träge. Oder auch nicht träge. Jedenfalls passte es zum Thema. Denn es geht um einen Butler, der schon recht alt geworden ist und zurückschaut.
 Und ich sage bewusst Butler. Denn er ist vielmehr als ein Mann oder ein Engländer.
Er arbeitet nicht nur als Butler. Er ist einer. 

Er lebt ein kontrolliertes Leben. Denn er ist immer im Dienst. Sein größtes Ziel: Die Würde. Allerdings ist es ihm noch wichtiger seinem Herrn zu dienen.

Er spricht von der vorherigen Generation von Butlern, welche es beabsichtigen, die Treppe aufzusteigen bis sie in einem Haus beschäftigt sind, welches einer Adelsfamilie gehört. 

Er, Mr. Stevens, dessen Vornamen der Leser nicht erfährt, meint, dass seine Generation einer Person dienen möchte, egal welchen Standes sie auch entspringt, die Großes tut. Bewegendes. 

Er hat keine politische Meinung. Er widerspricht seinem Herrn nicht. Er stimmt ihm nicht zu. Es ist ihm eigentlich auch egal, was sein Herr denkt, solange er es mit sich moralisch vereinbaren kann. 
Solange er keine moralischen Zweifel an seinem Herrn hat, hat er nichts zu befürchten. 


Und dennoch, als sein Herr stirbt, verleugnet er ihn. Nicht unbedingt mit Absicht. 
Er möchte nur bedingt auffallen. Er möchte bei jedem in der Gunst stehen.
Aber eigentlich ist er niemandes Freund. Er ist nur jedermanns Diener.

Susan Kays "Das Phantom"


Eine sehr bekannte Geschichte, dutzende Male verfilmt. 
Das Buch Le Fantôme de l'Opéra von Gaston Leroux.
Bekannter ist dennoch das Musical von Andrew-Lloyd Webber.
The Phantom Of The Opera

Beides ist mir sehr gut bekannt. Jetzt las ich Das Phantom. Und es hat mir besser gefallen als der
Bericht von Gaston Leroux.

Denn in dem Buch von Susan Kay geht es um viel mehr. Um die Gefühle von Erik, dem Phantom.
Es gibt so viel Hass und so viel Liebe. Leidenschaft und Leid.

Und ich muss sagen, es hat mich sehr an den Roman Wuthering Heights von Emily Bronte
erinnert. 
Wuthering Heights hat mir, um ehrlich zu sein, nicht allzu sehr gefallen. Es gab so viel Hass und Leid. Menschen, die sich liebten, haben sich umso mehr gepeinigt.

Und das ist der Unterschied zwischen beiden Büchern. In Susan Kays Version ist Erik der Einzige, der leidet. In Brontes Buch sind es eigentlich alle, besonders Heathcliff.

Zwischen Heathcliff und Erik gibt es ein Paar Parallelen. 
Beide sind, mehr oder weniger, von der Gesellschaft ausgeschlossen. 
Erik wegen seines Gesichts und Heathcliff wegen seiner Herkunft und seinem Benehmen.

Doch beide kriegen einen Lichtblick. 
Erik findet Christine Daaé und Heathcliff hat Cathy als einzige Freundin.


Und dennoch hat mir Das Phantom mehr zugesagt. Obwohl Erik viel schlimmer ist. Schließlich mordet er und stiehlt. Er ist ein Genie und fast wahnsinnig.